Vereinsreise ins Berner Oberland (welltisch du öpen...?)

Hört ihr Leut’ und lasst euch sagen, was sich jüngst hat zugetragen, im Lande der Seen, die an die Berge grenzen. Häisenen der I., Köhnig von Willadingen, wollte weiland seinen Collegen im Süden die Aufwartung machen und mit einer auserlesenen Gefolgschaft die besten Grüsse aus dem Dorfe Coppingen überbringen.

So liess er alsbald durch seinen Vasallen, Don Pängolito zu Macolin, verkünden, dass eine vergnügliche Reise in die Berge geplanet sei. Alle ehrenhaften Mannen und Frouen der hier ansässigen Gesellenschaft zur Körperertüchtigung seien eingeladen, dem Trosse zu folgen.

So geschah es, dass im neunten Monath des Jahres, eine fröhliche Schar bunt gewandeter und fröhlich gestimmter Ehrenleute sich anschickte, in friedfertiger Absicht die südlichen Gebiete zu durchstreifen und da und dort ein paar Gulden und Thaler liegen zu lassen.

Die Reise hoch zu Eisenross verlief kurzweilig, doch wurden diese Rosse immer erstaunlich schnell müde und mussten mehre male ausgewechselt werden, bis wir wohlbehalten am Ziel ankamen. Der Schreiber wellti hier noch vermerken, es seien gar viele Reiseleut’ unterwegs gewesen, an sälbigem schönen Tag.   

In dem Dorf mit dem lustigen Namen „Feutersoey“ entstiegen wir dem letzten Eisenross und machten uns auf Schusters Rappen weiter auf den Weg. Ein paar Stunden später und ein paar hundert Meter höher, begrüsste uns dann der zauberhafte Arnensee.

In einer Schenke, die direkt an den Gestaden des Sees lag und ganz und gar aus Holzstämmen gebaut war, kehrten wir ein. Hier gedachten wir, auch über Nacht zu weilen und unsre müden Glieder auszuruhn. Der Köhnig und sein Vasall hatten wahrhaftig gut gewählt. Es gebührt den beiden Hochwohlgeborenen ein grosser Dank von der ganzen Gefolgschaft.

Mit leichtem Frösteln, denn es wehte ein gar frischer Wind, blickten wir auf den See und fragten uns, ob das kristallklare Wasser womöglich zum Bade lade. Für die meisten aus dem Dorfe Coppingen tat es das nicht. Doch ein paar Mutige stürzten sich trotzdem und nur mit Lendentüchern bekleidet, in die kühlen Fluten. Unter die Badenden mischte sich auch der Vasall des Köhnigs, wohl Flöten­spieler im Nebenamt. Da er offenbar sein Instrument zum Bade mitnahm, erstummte es alsdann für den Rest der Reise. Aber vielleicht der Schreiber hier auch öppen öppis falsch verstanden hat. Zu nachtschlafender Stunde wurde der See abermals von Badegästen aus Coppingen heimgesucht. Doch auch diese konnten die Wasserthemperathur nicht eindeutig bestimmen.

Nach einer geruhsamen Nacht stärkten wir uns nochmals in der Schenke für die Weiterreise und sagten den Wirtsleuten und den Bediensteten alsdann Adieu. Der Arnensee trug beim Abschied einen märchenhaften Nebelschleier, welch erhabener Anblick! Sofort wurde das grandiose Schauspiel mit vielen kleinen Kistchen eingefangen, welche die Herumstehenden hierfür aus ihren Gewändern zogen.

Der blaue Himmel erwärmte unsere Gemüter und liess gute Laune für die bevorstehende Wanderung aufkommen. Zwei kleinere Eisenrosse trugen uns aber zunächst mit sehr viel Ausdauer in ein weiter entferntes Thal, wo wir den vielbesungenen „Louenesee“ vorfinden sollten. Dieser See hat es rechtschaffen schwer. So kämpft er nicht nur gegen die Verlandung, sondern auch mit seinem grossen Namen. Auf den ersten Blick leicht enttäuscht, korrigierte sich dieser Eindruck wieder, nachdem wir etwas an Höhe gewonnen hatten. Ist der See doch ganz hübsch, von oben betrachtet. Wohl aber gibt es lieblichere in unseren Ländereien.

Da der Weg stetig anstieg, gewannen wir immer mehr an Höhe, aber ein Höhenweg war das trotzdem nicht. Irgendwann war es dann doch geschafft und wir waren oben. Die wunderbare Aussicht entschädigte uns für die Strapazen und wir wurden gewahr, wie vortrefflich die Reiseplanung auch an dieser Stelle gelungen war.

Erwähnenswert verlief der Abstieg von der „Wispile“. Jede(r), der wollte, konnte sich für ein paar Thaler ein ganz junges Eisenross ausleihen und damit ins Thal reiten. Sporen musste man dem Thier wahrhaftig keine geben. Schon eher musste man es nach Kräften am Durchbrennen hindern. Für uns Coppinger war das natürlich kein Problem, blicken wir ja Rosse jeden Tag. Unten im Thal angekommen, war das Themperament der Rösslein gezügelt und sie benahmen sich lammfromm. Nicht einmal nach Hafer verlangten sie noch und so wurden sie von uns in gutem Zustande vor einem offenen Thor abgestellt.

Ein kurzer Abstecher folgte noch nach Gstaad, wo wir erhofften, auf weltbekannte Ritter aus anderen Landen zu treffen. Da diese aber schon alle weitergeritten waren, bestiegen wir selber das nächste Eisenross und machten uns auch davon. So neigte sich ein wundersamer Ausflug dem Ende zu, wobei in unseren Reihen weder Verletzte noch ernsthaft Erkrankte zu beklagen waren.

In diesem Sinne danken wir den beiden Hochwohlgeborenen, Köhnig Häisenen dem I. von Willadingen und Don Pängolito zu Macolin, für die vortreffliche Präparation und Petrus für das Hammerwetter.

 

Gezeichnet, Ritter Thännel van Hessen